→ next generation : issues

The Land of Milk(y) and Honey? Israelis in Berlin

„Ich bedauere diejenigen, die sich nicht mehr an den Holocaust erinnern und Israel für einen Pudding aufgeben.“ ~Yair Shamir, damaliger israelische Landwirtschaftsminister über den sogenannten „Milky-Protest“ (Oktober 2014)

Neuen Fragen zum Leben eingewanderter Israelis in Berlin und Deutschland stellt sich das Dokumentartheaterstück „The Land of Milk(y) and Honey? Israelis in Berlin“ und zeichnet dabei ein facettenreiches Porträt verschiedener Communitys, die so oft als gesichtslose Menge wahrgenommen werden. Zu Wort kommen Israelis mit aktivem religiösen Hintergrund, israelische Araber, hoch politisierte Israelis sowie Israelis ohne jegliches Interesse an Politik. Erste Einblicke geben Regisseur Daniel Brunet und die Performer*innen Mica Dvir, Shlomi Moto Wagner und Renen Itzhaki mit einer kurzen szenischen Präsentation, Lesungen aus den zugrundeliegenden Interviews und einer Diskussion über die Inspiration zum Projekt. Uraufführung am English Theatre Berlin | International Performing Arts Center (ETB | IPAC) am Do 25. Oktober, 20 Uhr. www.etberlin.de

Das Zitat des damalige israelischen Landwirtschaftsministers Yair Shamir in der Jerusalem Post markiert den Höhepunkt des so genannten „Milky-Protestes“ im Jahr 2014: Die Facebook-Seite Olim L’Berlin (Alija nach Berlin) forderte in einem Beitrag Israelis dazu auf, wegen deutlich billigerer Lebenshaltungskosten nach Berlin zu ziehen. Der primäre Beweis? Aldis Puddingcreme mit Sahnehaube, ein Nachtisch, vergleichbar mit der in Israel beliebten Puddingmarke Milky, allerdings für weniger als ein Drittel des Geldes. Dieser Facebook-Post erhielt innerhalb von vier Tagen mehr als eine Millionen Likes und sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Aber ist Berlin wirklich ein gelobtes Land, in dem Milch und Honig fließen? Kommen Menschen aus Israel nur wegen des Lebensstandards, des Nachtlebens und des berühmten kulturellen Renommees? Was ist mit jenen Israelis, die wegen des aktuellen politischen Klimas das Land verlassen? Und welchen Einfluss hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie die zahlreichen Berichte über den zunehmenden Antisemitismus auf die Auswanderung von Israel nach Deutschland?

Drei israelische Performer*innen untersuchen diese Fragen anhand von Texten aus 60 Interviews mit einem möglichst breiten Spektrum von Gesprächspartnern. Der gesamte Aufführungstext entsteht direkt aus diesen Interviews.

Biografien

Daniel Brunet ist Regisseur, Performer, Produzent und Übersetzer. Er wurde 1979 in Syracuse, New York geboren und studierte Theater und Film am Boston College. Seitdem arbeitet er als selbstständiger Theatermacher und Übersetzer, unter anderem am Forum Freies Theater, Düsseldorf, Haus der Kulturen der Welt, Berlin und Performance Space 122, New York. Daniel Brunet gründete während seiner Residenz am ETB (2003/2004) THE LAB. 2005-2008 war er Associate Director & Associate Producer am German Theater Abroad, Berlin und New York. Seine jüngsten Arbeiten sind die bilinguale Performance  „Knick-Knack to the Future | Ruckzuck in die Zukunft“, die mit dem Künstlerkollektiv copy & waste entstand und 2015 zum Festival steirischer herbst eingeladen wurde; die Uraufführung des Theaterstücks „The Most Unsatisfied Town“ von Amy Evans (April 2016, Wiederaufnahme 2017) und die Uraufführung des Theaterstücks „Berlin Diary“ von Andrea Stolowitz. Für seine zahlreichen Übersetzungen z.B. von Falk Richter, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Heiner Müller oder Dea Loher wurde Daniel Brunet mehrfach ausgezeichnet. Seine Aufsätze und Übersetzungen erscheinen in Pen America, The Mercurian, Asymptote, Theater, TheatreForum, Contemporary Theatre Review, alt.theatre und MiGAZIN. Im Herbst 2017 war er als Gastprofessor an der New School University in New York City tätig. Seit 2012 ist er Producing Artistic Director am English Theatre Berlin | International Performing Arts Center.

Mica Dvir ist eine interdisziplinäre Performerin. Dvir studierte an der Beit Zvi Schule für darstellende Künste (1999) und erhielt das B.E.D am Kibutzim College, Tel Aviv (2003). Seit 2007 hat sie die folgenden Arbeiten entwickelt: Departure Gate 9A (2018), Within Fixating Territories (2017), Mixed-Media (2016), Please Do, Please Do Not (2016), Picnic (2015), Street Language (2014), Shameful Occurrences, Disturbing Facts, Light And Darkness (2014), Around Dark Matter (2012-13), Fin-Land (2010-11), Voice Over (2010), Transparent Packaging (2008) und 15 minutes starting now (2007).  Ihre Arbeiten sind sozial und politisch und beschäftigen sich mit Themen wie der sozialen Konditionierung und der Kontrolle unseres Bewusstseins, der Bindung an Objekte und Ideen, der Gegenüberstellung von Individuum und Kollektiv, der israelischen Besatzung, dem kollektiven Gedächtnis und seinen Einfluss auf das Verhalten von Einzelpersonen. Ihre Werke wurden aufgeführt in Theatern und auf Festivals in Tel-Aviv (The Arab-Hebrew Theatre, Tmuna International Theater Festival, A-Genre Festival, Night-Light Festival), Haifa (Haifa Museum of Art), Calcutta (Nandika Theater Festival), Münich (i-camp Theater), Berlin (Circle 1 gallery), Cincinnati, Ohio (Cincinnati Fringe Festival) und New York City (Between the Seas Festival).

Renen Itzhaki ist ein aktives Mitglied der Berliner freien Tanzszene. Itzhaki kreiert Werke in den Grenzbereichen von Performance Art, Tanz, Text und Installation, womit er Genredefinitionen verwischt und die Prozesse des Kunstmachens, der Institutionskritik und des persönlichen Gedächtnisses reflektiert. 2016 absolvierte er ein Bachelor-Studium in Tanz, Kontext und Choreografie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT). Neben seinen eigenen Arbeiten kollaboriert er auch als Performer für andere Künstler*innen, wie Jeremy Shaw (57th Venice Biennale), Julie Favereau (Berlin Gallery Weekend 2018), Lia Rodrigues Tanzkompanie (Rio de Janeiro), Maryna Makarenko (Martin Gropius Bau) und viele mehr. www.whoisrenen.net

Keren Korman, geboren und aufgewachsen in Israel, studierte Philosophie und Geschichte an der Tel-Aviv Universität. 2002 kam sie nach Deutschland, wo sie an der TU Berlin ihren Master of Art in Bühnen- und Kostümbild absolvierte. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet sie als interdisziplinärer Designerin für Raum, Form sowie Illustration und Werbung. Gegenwärtig arbeitet die Künstlerin freiberuflich als Bühnen- und Kostümbildnerin für verschiedene Theater in Deutschland und weltweit, u. a. Schauspielhaus Leipzig, Deutsches Theater Berlin, Burg Theater Wien, Grand Theater Genf.

Shlomo Lieberman machte den MFA-Abschluss in Theaterregie an der Tel Aviv University. Für die freie Theatergemeinschaft von Israel kreierte er zahlreiche Produktionen. Seit 2014 arbeitet er als freier Theaterkünstler in Berlin, seit 2016 gemeinsam mit seinem Partner Ulrich Leinz als Team LeinzLieberman. Zu ihren Werken gehören: The Other/Promised Land, Shlomo’s Friends, Olam Haba (The Next World) und Noraland am English Theatre Berlin | International Performing Arts Center.

Shlomi Moto Wagner ist ein Performance-Künstler und Opernsänger. Als Solist sang er mit Orchestern weltweit und als Mitglied des Opernstudios der New Israeli Opera. Seit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2012 arbeitet er mit verschiedenen Opern-Ensembles und experimentellen Theatermacher*innen, unter anderem mit Philine Rinnert und Johannes Müller. Mit seiner Drag-Performance-Gruppe House of Mazeltov untersucht er die performantiven Grenzen von Stimme, Geschlecht, Tradition und Identität. Im Rahmenprogramm des Performing Arts Festival Berlin 2017 war seine Solo Performance “Salvation (Glitter doesn’t care I’m a boy)” zu sehen.

Christian Maith studierte Licht Design am Goldsmiths College, University of London. Seit seinem Masterabschluss arbeitete er an unzähligen Theaterproduktionen mit, sowie für Kunstausstellungen und Performance Events in Berlin und anderswo.

Regie & Konzept
Daniel Brunet

Schauspieler
Mica Dvir, Renen Itzhaki, Shlomi Moto Wagner

Dramaturgie
Shlomo Lieberman

Eine Koproduktion mit dem ETB | IPAC

Bühnenbild
Keren Korman

Regieassistenz
Naomi Boyce

Licht Design
Christian Maith

© Jerun-Vahle
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So 14 Oktober 18:00 (Preview im Radialsystem -> EINTRITT FREI)
Do 25 Oktober 20:00 (Premiere)
Fr 26 Oktober 20:00
Sa 27. Oktober 20:00
Do 1. November 20:00
Fr 2. November 20:00
Sa 3. November 20:00

 

Veranstaltungsort
Radialsystem, English Theatre Berlin

Ticket
Preview: Eintritt frei, Premiere: 15 / 9€

Länge
1,5 Stunden

Sprache
Englisch und andere Sprachen