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Die Teilnehmer*innen diskutieren den jahrzehntelangen, erst 2019 beendeten Rechtsstreit am Obersten Gericht Israels über den Nachlass Franz Kafkas. Kafka hatte zu Lebzeiten verfügt, sein Freund Max Brod solle alle Schriften nach seinem Tod verbrennen. Dieser veröffentlichte jedoch zahlreiche seiner Werke. Ohne diese Veröffentlichungen, hätte die Welt Kafka viel weniger gekannt. Mit Brods Tod im Jahr 1968 begann der Streit um sein Privatarchiv, das teilweise gestohlen und weltweit zum Verkauf angeboten wurde. Nach dem Urteil 2019 stellte die Nationalbibliothek in Jerusalem Manuskripte, Briefe und Zeichnungen Kafkas aus. Damit endet ein absurder israelisch-deutscher Krimi über Freundschaft, die Ökonomisierung von Kunst, kulturellen Zionismus und das postmortale Judentum.

Biografie

Benjamin Balint ist ein in Jerusalem lebender Schriftsteller. Er ist Autor von »Kafkas letzter Prozess«, der ursprünglich im Berenberg Verlag erschienen ist, und Mitautor von »Jerusalem: City of the Book«, Yale University Press. Er unterrichtete Literatur im geisteswissenschaftlichen Programm des Bard College an der Al-Quds-Universität. Seine Essays erscheinen in The Wall Street Journal, in Haaretz und Die Zeit, und seine Übersetzungen aus dem Hebräischen sind unter anderem in The New Yorker veröffentlicht.

Tomer Dotan-Dreyfus, der ursprünglich aus Haifa stammt, ist als Schriftsteller, Dichter und Gelehrter der Komparatistik tätig. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaften in Berlin, Wien und Paris und ist derzeit Stipendiat des Programms des Berliner Senats für deutschsprachige Autoren. Er schreibt sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache. Seine Essays wurden in Zeitschriften wie Spitz, Iton77, HaMussach und Triëdere veröffentlicht.

Dr. Caroline Jessen arbeitet im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Nach ihrem Studium der Literatur- und Kunstgeschichte promovierte sie an der Universität Bonn und koordinierte »Spuren deutsch-jüdischer Geschichte« (2012-2015), ein Projekt, das sich der Erschließung und Erforschung von Archiven deutsch-jüdischer Schriftsteller und Wissenschaftler in Israel widmet. Als Mitglied der Forschungsvereinigung Marbach Weimar Wolfenbüttel hat sich ihre Arbeit auf verstreute Archive und Bibliotheken konzentriert, mit einem starken Interesse an politischen und hermeneutischen Aspekten der »Provenienz«. Zu ihren Veröffentlichungen gehören »Der Sammler Karl Wolfskehl«. (Berlin, Suhrkamp 2018) und »Kanon im Exil«. (Göttingen: Wallstein 2019).

Dr. Stefan Litt ist Kurator für allgemeine Geisteswissenschaften und Fachreferent für Archive an der National Library of Israel wo er europäische Sprachbestände verwaltet, unter anderem von Martin Buber, Stefan Zweig und Max Brod. Nach seiner Promotion in Vormoderner Jüdischer Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem und einem Post-Doc an der Universität Graz forschte und arbeitete er als Gastprofessor an den Universitäten Erfurt und Düsseldorf in Deutschland, an der Universität Graz in Österreich sowie an den Universitäten Jerusalem und Bar-Ilan in Israel. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Geschichte des frühneuzeitlichen europäischen Judentums und auf moderne jüdische Archivsammlungen.

Diskussionsteilnehmer*innen
Benjamin Balint, Dr. Stefan Litt, Dr. Caroline Jessen

Moderation
Tomer Dotan-Dreyfus

© Benjamin Balint
© Israeli National Library
©Dr. Carolien Jessen
© Roni Zachor Barak
eintritt frei

So 26. April 18:00

Veranstaltungsort
radialsystem Studio C

Tickets
Eintritt frei

Dauer
1 Stunde 30 Minuten

Sprache
Englisch